Es geht immer bergauf – über Steine und saftige Wiesen, auf denen Kühe grasen, vorbei an kleinen Almhütten, an denen Kuhglocken an der Tür und karierte Gardinen an den Fenstern hängen. An den Toiletten ist ganz klischeehaft ein rotes Herz in die Tür geschnitzt. An einem kleinen Bergbach machen wir zwischendurch Halt und kühlen unsere Unterarme ab. Wie gut das tut. Um mich herum höre ich nur das Rauschen des Baches, das Pfeifen des Windes und das Zwitschern der Vögel. Ich schwitze und bin k.o., als wir endlich oben an der Berghütte ankommen. Doch der Ausblick lässt die Anstrengung vergessen – um mich herum erstreckt sich ein gigantisches Bergpanorama, ich fühle mich komplett angekommen und bin tiefentspannt wie selten zuvor.

Wandern kenne ich von früher – als Kind sind wir viel und auch gerne gewandert, doch die Urlaubspräferenzen haben sich im Teenageralter verschoben. Wanderschuhe waren klobig und unvorteilhaft. Doch mit dem Alter und dem Erwachsenensein kamen sie zurück, die Sehnsucht nach der Natur und der Wunsch, Wanderurlaube zu verbringen. Was Anfang der 20er noch eher öde und altbacken gewirkt hat, wird jetzt mit Ende 20 immer beliebter. Ich kann es nicht abwarten, am Wochenende den Rucksack zu packen, um den Tag draußen zu verbringen oder den jährlichen Wanderurlaub zu planen. In diesem Blogbeitrag möchte ich euch zeigen, warum es mich zum Wandern zieht und wieso ein Wanderurlaub pro Jahr für mich mittlerweile fast Pflicht ist.

Einfach nur laufen, laufen, laufen

Im Wanderurlaub macht man genau das: wandern. Den Kopf einfach mal abzuschalten und den stressigen Alltag hinter sich zu lassen, funktioniert bei mir bei keinem Urlaub so gut wie beim Wandern.

Ich bin nur damit beschäftigt, den anstrengenden Anstieg zu schaffen und werde dabei von der Schönheit der Natur so in den Bann gezogen, dass ich an gar nichts anderes denken kann. Das so angestrebte „einfach mal an nichts denken“ erreiche ich hier – und das ganz ohne Anstrengung (die körperliche mal ausgenommen).

Glücksgriff-Blog

Oftmals lasse ich im Urlaub mein Smartphone tagsüber komplett aus und melde mich nur abends bei der Familie, um über den Tag zu berichten. Immer im Fokus und gleichzeitig das Ziel ist die Natur. Wenn man den ganzen Tag inmitten von gigantischen Bergen, Felsformationen, saftigen Wiesen und rauschenden Bergbächen verbringen darf, ist der Weg das Ziel. Wir nehmen uns hier bewusst die Zeit, stehenzubleiben und die Naturkulisse staunend zu betrachten. Noch Monate später kann ich mich an Wanderungen erinnern und an das, was ich zum Beispiel bei einem Ausblick vom Berg empfunden habe: absolute Tiefenentspannung und den oftmals beschriebenen Wow-Effekt. 

Ich weiß abends, was ich geleistet habe

Nach einer 20 km Wanderung ziepen abends schonmal die Beine, aber man ist körperlich so positiv ausgepowert und weiß, was man geleistet hat. Man kann so stolz auf den Körper sein. Den ganzen Tag am Strand liegen und Nichtstun? Ist gar nicht mein Ding. Sich hingegen den ganzen Tag auszupowern, ist nicht nur gut für die Seele, sondern auch den Körper. Eigentlich ein Widerspruch, aber man fühlt sich auf der einen Seite ausgepowert und auf der anderen Seite so voller Energie.

Man findet die Entspannung und innere Ruhe gerade durch die Aktivität inmitten der atemberaubenden Naturlandschaft.

Glücksgriff-Blog

Innehalten und den Moment genießen

Generell schaffe ich es beim Wandern, den Moment zu genießen und einfach mal innezuhalten. Man nimmt sich für die Umgebung viel bewusster die Zeit, weil man so nah inmitten von ihr wandert. Bei der Olpererhütte hat sich die Perspektive beim Aufstieg nach jeder Kurve geändert – es macht einem bewusst, wie selbstverständlich für uns vieles geworden ist und dass man manche scheinbar alltägliche Dinge öfter mal aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten sollte. In diesen Momenten merkt man auch, wie gigantisch die Naturphänomene sind und wie klein man eigentlich ist.

Urlaub für die Sinne

Im Artikel Kaiserschmarrn with a view – Wanderung zur Olpererhütte beschreibe ich den Geruch und Geschmack des absolut göttlichen Kaiserschmarrns auf der Hütte. Wanderurlaub ist auch immer ein Urlaub für alle Sinne. Der Duft von warmen Kaiserschmarrn nach einem anstrengenden Aufstieg vorbei an einer Kuhweide mit den charakteristischen Glocken, der Geschmack eines erfrischenden Gletscherwassers und auch die Brotzeit, die man in seinem Rucksack für unterwegs mitgenommen hat, schmeckt in den Bergen einfach anders. Wenn wir uns auf eine Wiese an den Bachrand setzen und unser vorbereitetes Essen inmitten der Natur essen, frage ich mich schon: Was braucht man mehr? Auch wenn die Brotzeit eigentlich nur dafür bestimmt war, dass man mal nicht einkehrt – aber mal unter uns, wer kann auf einer Alm schon auf frisch gebackenen Kuchen, Knödel oder Mehlspeisen verzichten? Also ich zumindest nicht. Lieber stärken wir uns mehrmals, denn beide Mahlzeiten haben ihre besondere Atmosphäre. Eine Kleinigkeit auf der Alm schmeckt auf 2.400m mit Blick auf die Berglandschaft auch einfach anders, viel intensiver. 

Geduldig sein & das Wetter wirken lassen

Geduldig & ich – das ist bereits ein Widerspruch in sich. In den Bergen kann Geduld aber belohnt werden. „Da fahren wir einmal mit der Gondel auf einen Berg und dann ist alles voller dichtem Nebel“. Das habe ich mir bei unserem Ausflug mit der Finkenberger Almbahn gedacht. Eine dicke Nebelsuppe um uns herum. Ein Ausblick oder gar Rundumblick war nicht einmal zu erahnen. Und dann sind wir einfach ein Stückchen nach oben gewandert, haben uns auf eine Bank gesetzt und der Dinge geharrt und siehe da – wir wurden belohnt. Langsam stiegen die Nebelschwaden nach oben und haben Stück für Stück die Landschaft darunter zum Vorschein gebracht. Immer wieder hat sich ein neues Fleckchen gezeigt und wir staunten nicht schlecht, inmitten welcher Schönheit wir die ganze Zeit gesessen haben.  Die Vielfalt wurde durch das nach und nach Wegschweben des Nebels deutlich: Da waren steinige Berge, eine grüne Piste, eine zickzackförmige Straße und fließende Bäche. Ich war selten so geduldig und dabei tiefenentspannt, wie bei diesem Ausflug. Es zeigt aber auch, wie vielfältig die Natur ist und wie die unterschiedlichen Wetterumschwünge eine unterschiedliche Stimmung transportieren. Immer nur blauer Himmel und Sonnenschein kann auf Dauer nämlich nur eine Facette der Naturlandschaft zeigen. 

Die Natur ganz für sich

Oftmals hat man die Natur ganz für sich alleine. Vor allem in der Nebensaison begegnet man nur selten vielen anderen Wanderern.  Entspannung kann man hier also sprichwörtlich finden, denn Teilen muss man nur die Aussicht beim Erreichen der Berghütte. Für mich ist das Urlaubsglück, denn nur so kann man sich voll auf sich und die Natur konzentrieren. Keine Ablenkungen, keine anderen Gespräche, absolut nichts, was stört.

Ja, ich mag die Natur & das Wandern. Wenn ihr euch im Urlaub einfach mal auspowern und dabei nach der inneren Entspannung sucht, kann ich euch einen Wanderurlaub nur wärmstens empfehlen. Ich plane gerade die nächste Tour und werde darüber bald im Blog berichten.

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