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Wart ihr schon einmal beim Bierbrauen dabei? Vielleicht nickt der ein oder andere von euch. Bei einem Co-Brew? Ich war weder bei dem einen, noch bei dem anderen, deswegen fand ich es umso spannender, als ich von Maisel & Friends in Bayreuth zu einem deutsch-amerikanischen Collaboration-Brew (so die Langversion) eingeladen wurde. Den ganzen Tag wurde in der Maisel & Friends Brauwerkstatt ein ganz besonderes Bier gebraut und ich möchte euch einen kleinen Einblick geben.

Zwei Biere von zwei Kontinenten

Gerade in der kreativen Brauerszene tun sich ab und an zwei Brauereien zusammen und kreieren etwas Leckeres. „Was ist das Besondere an diesem Co-Brew?“, habe ich gefragt und ohne zu zögern, antwortet Marc, der erste Braumeister von Maisel & Friends, der Kreativlinie der Brauerei Gebr. Maisel auf Englisch: „He.“ He – das ist Eric, der Braumeister aus der Christian Moerlein Brewing Company aus Cincinnati (USA). Zusammen mit ihm wurden in Deutschland und Amerika zwei limitierte Co-Brew Biere gebraut: Deutsches Malz trifft auf amerikanischen Hopfen mit Ananas-, Citrus- und weiteren tropischen Fruchtaromen – bereits im Juli wurde das Hoppy Wheat Ale Spacetime in Cincinnati, USA gebraut. Der fränkische Braumeister Marc und Biersommelier Michael, mit dem ich schon ein Interview geführt habe (Verlinkung auf Blogbeitrag), sind für den ersten Teil der Collaboration in die USA gereist. Ein paar Wochen später entsteht im fränkischen Bayreuth das Teleporter, ein Imperial Porter.

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Teleporter und Spacetime – nicht nur die beiden Biernamen symbolisieren die Verbundenheit der beiden Brauereien, die Zeit und Kontinente durchquert haben. Die Geschichte der Brauerei Moerlein geht bis auf das Jahr 1853 zurück und beginnt im wunderschönen Franken. Der Gründer der Brauerei Moerlein wurde nur 17 Kilometer von Bayreuth entfernt geboren und wanderte mit 23 Jahren in die USA aus, um dort die „Christian Moerlein Brewing Company“ zu gründen. Die Brauerei pflegt die deutschen Wurzeln und braute das erste amerikanische Bier nach dem Bayerischen Reinheitsgebot. Heute verbindet beide nicht nur, dass sie als Pioniere in der jeweiligen Craftbeer-Szene gelten, sondern jetzt noch zwei Biere.

 

Perspektivenwechsel – so entsteht das Bier

Normalerweise sitze ich als Gast vor den verglasten Sudkesseln und schaue von der Gastronomie Liebesbier aus den Brauern beim Arbeiten zu. Heute wechsele ich die Perspektive und befinde mich hinter der Glaswand. Die Luftfeuchtigkeit und Temperatur ist hoch und man kommt schnell ins Schwitzen.

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Zuerst wird hier das geschrotete Malz mit Wasser vermengt und in einen ersten großen Kessel, die sogenannte Maischbottichpfanne, eingefüllt. Dieser Vorgang wird „Einmaischen“ genannt. Dabei wird bei unterschiedlichen Temperaturstufen die im Malzkorn enthaltene Stärke in Malzzucker umgewandelt, sowie weitere Extraktstoffe in Lösung gebracht. Diese zeichnen ein Bier aus, denn die Menge an gelöstem Malzzucker ist für die Stärke des späteren Bieres verantwortlich. Anschließend wird die Maische in einem weiteren Kessel, dem Läuterbottich, durch einen Filtrationsprozess vom festen Kornmaterial getrennt. Dadurch erhält man die sog. „Läuterwürze“, welche anschließend noch mit Hopfen gekocht wird. Dies geschieht im nächsten Sudkessel, der Würzepfanne. Hier blubbert es bereits und alle schauen neugierig hinein, denn der erste Sud ist kurz vor dem Kochbeginn.

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Man kann sich nur schwer vorstellen, dass daraus ein leckeres Bier entstehen wird. Vor uns kümmert sich Eric um die Hopfengabe und füllt den Hopfen in die Vorlagegefäße. Der Hopfen sorgt nicht nur für die Bitterkeit und das Aroma des Bieres, sondern auch für dessen Haltbarkeit. Doch bevor die Hopfengabe dran ist, schauen wir schnell in den Gärkeller. Die Temperaturen sind schon deutlich kühler. Hier findet die Würzeannahme statt, für welche Eric einen Schlauch von der Würzeleitung mit dem Tank verbindet.

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Nach dem Kochen wird die Würze wieder auf „Anstelltemperatur“ heruntergekühlt. Wenn die richtige Temperatur erreicht ist, wird die Hefe dazu gegeben. Im Brauerjargon wird dieser Vorgang „Anstellen“ genannt. Jetzt sprechen wir nicht mehr von Würze, sondern von Jungbier. Die Hefe setzt die alkoholische Gärung in Gang, d.h. der Malzzucker wird in Alkohol, Kohlendioxid und Wärme verstoffwechselt. Ein anderes Bier, das Choco Porter hat den Schritt der Gärung und der anschließenden Reife- und Lagerphase schon hinter sich, weshalb der Braumeister für jeden einen Probierschluck abzwickelt.

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Eric beschriftet derweil den Tank, in dem das Teleporter gären wird und macht stolz ein Selfie von sich.

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Das Bier musste jetzt bis zur Vorstellung heute und morgen reifen. Ich bin schon gespannt, wie es schmecken wird. Den Abend haben wir mit einem leckeren Barbecue ausklingen lassen. Na läuft euch auch schon was Wasser im Mund zusammen?

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Gemeinsam Erfahrung sammeln

Ich habe mich gefragt, wie man entscheidet, welches Bier man gemeinsam brauen möchte. Die Mischung aus deutschem Malz und amerikanischem Hopfen beim Hoppy Wheat Ale „Spacetime“ zeigt, dass man über die Zutaten die unterschiedlichen Wurzeln miteinander zu einem neuen Geschmackserlebnis verbindet. Das bestätigen mir auch der Bayreuther Braumeister Marc und der amerikanische Braumeister Eric: 90% geht man über die Zutaten, der Rest wird dann noch im Brauprozess entschieden. Doch es geht nicht nur um zwei Biere, die gebraut werden, sondern wie sie gebraut werden – als Co-Brew.

Es geht um eine Freundschaft, die gepflegt wird.

Es geht um eine Offenheit der anderen Bierkultur gegenüber.

Es geht um eine gemeinsame Erfahrung.

Bierbrauer aus den USA und aus Deutschland. Da gibt es doch sicher Unterschiede. Wie sieht so ein Alltag als Bierbrauer in Amerika aus? Gar nicht so viel anders als in Deutschland, erzählt mir Eric. Jeden Morgen macht das Team einen Plan für den Tag, bespricht die wöchentliche Produktion und bereitet Biertastings vor. Hier gibt es keine großen Unterschiede zum Alltag eines Bierbrauers in Deutschland. Doch wie wird man überhaupt Bierbrauer? Während es in Deutschland eine klassische Ausbildung oder ein Studium bzw. weitere Fortbildungsmöglichkeiten wie Meisterschulen gibt, war es bei Eric eher unkonventionell, denn er hat Archäologie und Geschichte studiert. Doch die Liebe zum Bier hat ihn dann zum Beruf des Bierbrauers geführt. Die Moerlein Brewing Company in Cincinnati hat einen Brew Pub, in dem jeden Monat ein neues Bier gebraut wird. Ansonsten entstehen 1-2 neue Craftbiere pro Jahr. Da Eric zum ersten Mal in Deutschland ist, möchte er natürlich auch andere fränkische Brauereien und die deutschen Gepflogenheiten kennenlernen, weshalb die deutschen Braumeister eine kleine Brauereitour rund um Bayreuth und Ausflüge in die Fränkische Schweiz mit ihm unternommen haben. Doch bei den vielen Gemeinsamkeiten – was unterscheidet denn dann einen deutschen von einem amerikanischen Bierbrauer? „The beard“, lacht Eric (auch wenn er keinen hat ;)..).

Wie das Bier wohl schmecken wird?

Insgesamt werden 50 Hektoliter Bier gebraut, die Biere werden am 15.09. um 20 Uhr beim Craft Brauer-Festival in Bayreuth offiziell vorgestellt und Eric wird natürlich einen Teil mit in die USA nehmen. Beim Craft Brauer Festival kann er leider nicht da sein, aber er schickt den CEO der Brauerei, Greg Hardman, höchstpersönlich nach Bayreuth.

Wie das Bier schmecken wird? Das erfahren wir auf dem Festival.

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